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Blog Sonnenblumen

Langsam aber doch nähert sich der Sommer. Ich merke es ganz deutlich und habe diverse Beweise dafür: nicht das Datum, nicht die Ameisenstraße, die meinen Flur bevölkert  und nicht die wachsende Anzahl der Gastgärten in der Stadt. Es handelt sich um ein leichtes Kribbeln in der Magengegend, ein Blubbern, das sich langsam von ganz unten nach oben bewegt, bis es schließlich in meinem Kopf angelangt, wo es in kleinen Dosen Freudenwellen auslöst, welche mich innerlich juchzen lassen. Wann das genau geschieht, kann ich nicht sagen, manchmal genau dann, wenn ich in einem kleinen Café sitze und mich am perfekten Cappuccino vor mir freue, immer öfters wenn ich zu meiner Italienischstunde fahre und es nicht erwarten kann, etwas Neues zu lernen und meistens wenn ich die Augen schließe und mir vorstelle, dass ich bald wieder im Bikini am Strand entlang wandern und Menschen begegnen werden, die ich nicht kenne, die sich vielleicht aber in meinem nächsten Buch wiederfinden werden. Das sind Momente, die kein anderer verstehen muss oder nachvollziehen kann. Sie gehören nur mir und sie wärmen mich auf eine Art, die nur wenige kennen. Wir hetzten Zeit unseres Lebens in einem vorgegebenen Tempo durch eine Realität voller Pflichten und Begehrlichkeiten , wir laufen oder rennen, sind auf der Suche nach Dingen, für die wir – sobald wir sie haben – keine Zeit oder Lust mehr haben. Doch irgendwann – vielleicht nicht jeder – müssen wir die Geschwindigkeit raus nehmen, wir müssen eine Pause machen und uns selbst betrachten. An diesem Punkt müssen sehr viele von uns erkennen, dass wir uns in die falsche Richtung bewegt, dass wir uns zu viel vorgenommen oder dass wir unser wahres Potential nicht ausgenutzt haben. Das tut weh, es deprimiert und man hat das Gefühl, dass irgendwer den Stecker gezogen hat. Wir liegen wie leere Handys, deren Ladekabeln wir verlegt haben, herum und fühlen uns orientierungslos. Aber es ist nicht vorbei und es war auch nichts umsonst. Es könnte sein, dass es uns die Augen für etwas geöffnet hat, was wir ansonsten nie erreicht hätten: die Chance wieder aufzustehen, umzudrehen, neu anzufangen und neu wahrzunehmen.

Ich kann heute ein Sandkorn mehr schätzen als vor Jahren, ich bedanke mich für ein gutes Gespräch und ein sehe es als nicht selbstverständlich an, Freunde zu haben. Ich gebe, bevor ich nehme und ich lächle, wenn es besonders weh tut. Denn der Schmerz zeigt mir, dass ich lebe, dass ich fühle und dass mir nichts egal ist. Das sehe ich als meinen persönlichen Triumph an: das Vermögen und die Kraft mich gegen die Apathie des Lebens zu wehren. Ich kämpfe gegen Abgestumpftheit, Gefühlslosigkeit, Geistesabwesenheit, Desinteresse, Gleichgültigkeit und Lethargie – jeden Tag ein bisschen mehr.

In diesem Sinn genieße ich die ersten Sommeranzeichen und mein neues Wesen, das mich nie enttäuscht und das mir die Kraft gibt, nach vorne zu gehen, egal welche Hürden sich aufbauen. Ich schaffe sehr viel- bei Gott nicht alles – aber das ist völlig in Ordnung.

 

 

 

© 2013-2014 Cornelia Pichler

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