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Buch Perspektive 2014 12 06

Endlich ist es soweit und ich fiebere der Veröffentlichung meines ersten Buches entgegen. Es fühlt sich an, wie wenn ein Kind loslässt, um es in die weite Welt zu schicken. Von der weiten Welt kann man wahrscheinlich noch nicht sprechen bzw. nur davon träumen, denn ich gehe nicht davon aus, dass zwei bis drei Wochen nach der Veröffentlichung Steven Spielberg bei mir durchruft, um sich die Filmrechte zu sichern. Na ja, vielleicht Til Schweiger, dann müssten wir das Buch gar nicht übersetzen und ich könnte Elyas M’Barek als männliche Hauptrolle vorschlagen. Die weibliche Hauptrolle könnte ja dann ... wenn’s sein muss ... ich übernehmen.

Jede Art von Kunst ist subjektiv und man mag Kunstwerke, liebt sie, hasst sie, oder im schlimmsten Fall lassen sie einen kalt und führen zu keinerlei Gefühlsregung. Jedenfalls animiert sie uns dazu, die konsumierte Kunst zu bewerten – heutzutage vorzugsweise online, wenn man nicht gerade Journalist ist und noch für Printmedien schreibt. Nicht jeder Künstler kann mit Kritik umgehen, obwohl sie natürlich auch positiv und konstruktiv sein kann. Im Zeitalter des Internets fürchten wir uns auch deshalb so vor Kritik, weil sie oft anonym, aus Wichtigmacherei oder des „shitstorming“-wegen abgefeuert wird. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Menschen es geradezu lieben, andere zu kritisieren, schlecht zu machen und zu erniedrigen, nur damit sie selbst gehört werden. Ganz selten lese ich mal „Wow – das hat mich echt umgehauen!“ Haben wir es verlernt zu loben? Ist es inzwischen leichter zu kritisieren? Leben wir tatsächlich in einer Neidgesellschaft?

Es überrascht mich auch immer wieder, von welchen Menschen Kritik geübt wird. Manchmal haben sie selbst keine Ahnung von der Kunst, die sie schlecht machen und würden es in hundert Jahren nicht fertig bringen, eine solche zu produzieren. „Ist ein Text schlecht, nur weil er einem nicht gefällt? Was macht einen Text zu einem schlechten Text? Gibt es hierzu objektive Kriterien? „Die Protagonistin ist mir unsympathisch“ finde ich ein wenig mau und „Mit der Szene konnte ich mich nicht identifizieren, ich finde sie konstruiert“ ist mir auch zu wenig. Haben wir alle schon alles, was menschenmöglich ist, erlebt? Nur weil ich es noch nicht erlebt habe oder es nicht verstehe, heißt es doch nicht, dass es nicht realistisch sein kann. Denken wir mal an 90% alle Tom Cruise Filme? Was bitte ist daran „echt“? Ich liebe zum Beispiel Forrest Gump –alles ein schönes Märchen und nicht real, aber eine tolle Geschichte. Und um das geht es mir: was ist die Geschichte hinter dem Werk? Gibt es eine und wenn ja, reißt sie mich persönlich mit? Generell gibt es beim menschlichen Verhalten so viele Nuancen und Beweggründe, der Mensch selbst ist ein Mysterium – wie kann man da sagen: Es ist nicht nachvollziehbar?

Ich frage Kritiker gerne: Haben Sie schon einmal ein Buch geschrieben? Wie würden Sie es denn machen? Die meisten haben darauf keine Antwort, denn die wenigsten können selbst zusammenhängende Sätze verfassen – von Rechtschreibung will ich gar nicht sprechen. Man entfernt sich immer mehr von geschriebenen zusammenhängenden Texten, die etwas aussagen. Smileys und andere Emoticons überrennen uns und ersparen uns, uns artikulieren zu müssen. Ein Bild sagt mehr als tausende Worte, heißt es. Ich sende also ein Herz und muss nicht mehr eine Liebeserklärung verfassen. Der andere versteht und ist zufrieden. Mein Gott, wo sind die Zeiten hin, wo man noch Stunden über einem Brief saß, ihn dreimal zerknüllte und dann erst die vierte Version halbwegs zufriedenstellend war? Wie soll man oder kann man Prosa verstehen, wenn alles mit ein paar Zeichen gesagt werden kann? Kusslippen, Rose, Verlobungsring, Kirche, Schleier – selbst ein Heiratsantrag ist mit ein paar Klicks erledigt.

Ich fürchte mich nicht vor Kritikern - ich respektiere jede Meinung und jeden Geschmack, wenn sie fundiert sind und höflich formuliert. Es gibt sehr viele literarische Werke, die ich gelesen habe und die mir persönlich nicht gefallen haben. Ich bin noch immer auf Elizabeth Gilbert ob ihres Romans „Das Wesen der Dinge und der Liebe“ sauer, da mich der Klappentext auf eine falsche Fährte geführt hatte und ich vergeblich die Liebe suchte, welche die passionierte Pflanzenliebhaberin – ihres Zeichens Protagonistin -  nie fand. Dennoch schreibt die Frau wie eine Göttin und ich respektiere die künstlerische Arbeit. Genau das würde ich mir auch wünschen. Jeder hat das Recht meine Arbeit zu diskutieren, zu zerlegen (ich freue mich auf die psychologischen Rückschlüsse auf meine eigene Persönlichkeit) und seine Meinung dazu abzugeben. Ich nehme jede Art von Feedback gerne an und kann sicher daraus lernen und wachsen – jedenfalls in schreibtechnischer Hinsicht, körperlich habe ich die Hoffnung aufgegeben. Aber ich werde mich nicht auf persönliche Emotionen einlassen, die auf eine Allgemeinebene gebracht werden, denn man kann nicht für jeden schreiben und alle glücklich machen. Das ist nicht meine Intention. Ich möchte denjenigen, die in meine Welt eintauchen wollen, ein schönes und erwärmendes Gefühl bescheren und sie den Alltag vergessen lassen. Wenn der eine oder andere Leser ermutigt wird, seine Träume aus der großen Truhe hervorzukramen, sich die rosa Brille aufzusetzen und am helllichten Tag einen Cocktail zu bestellen – weil ihm gerade danach ist – dann habe ich etwas richtig gemacht. Mehr zählt nicht.

Falls das der Fall ist, schreibt mir via Facebook oder kontaktiert mich über meine Website, sendet mir ein Foto oder erzählt mir von eurem Traumtag.  Als Dankeschön erhält ihre eine Gratisausgabe meines nächsten Buches, welches voraussichtlich nächstes Jahr erscheint.  

© 2013-2014 Cornelia Pichler

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