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Header BücherViele Menschen, mit denen ich über mein neues Buch spreche, fragen mich, worum es denn in dem Roman gehe. Wenn ich antworte, dass es sich um eine Liebesgeschichte handle, ernte ich sehr oft ein spontanes Lächeln (meistens von Frauen), teilweise Skepsis und immer wieder einen mitleidigen Blick à la „Mein Gott, schon wieder eine Frau, die einen schnulzigen Frauenroman geschrieben hat“ (meistens von Männern). Mein Freund K. hat es dann auf den Punkt gebracht, indem er - völlig emotionslos und trocken - zu mir sagte: „Ich habe schon gehört, dass du die neue Rosamunde Pilcher bist“. Nach kurzem Schock fing ich mich wieder und dachte darüber nach. Eines vorweg, ich habe kein einziges der Pilcher Bücher gelesen, aber den einen und anderen Film gesehen und muss sagen: Ich und die Pilcher sind stilistisch und inhaltlich zwei verschiedene Paar Schuh (sie mehr ein bequemer und flacher Alltagssneaker, während ich wohl eindeutig ein schwindelerregender Stilettopump á la Louboutin bin). Aber ganz ehrlich, es würde mir nichts ausmachen, verkaufszahlenmäßig in ihrer Liga spielen zu dürfen und sie verdient Hochachtung für die Leistung, so viele Menschen mit ihrer Art von Literatur glücklich zu machen. Genau darum geht es nämlich: Leser und Leserinnen für einige Stunden den Alltag und ihre Probleme vergessen zu lassen und wie man das anstellt, sei jedem Autor bzw. jeder Autorin selbst überlassen. Das ist jedenfalls meine Meinung.

Kommen wir zum zweiten Thema: Wer genau bestimmt denn, was trivial ist und was nicht? Ist das nicht auch ein sehr subjektiver Begriff? Mir wurde er das erste Mal im Rahmen meiner Diplomarbeit von meinem Betreuungslehrer an den Kopf geworfen, als er mich fragte, warum ich denn unbedingt über Trivialliteratur schreiben wollte. Mein Thema „The Southern Way – The Price of Tides as an Example of Southern Literature“ behandelte den Roman „Herr der Gezeiten“ von Pat Conroy, welcher auch noch heute zu meinen Lieblingsromanen zählt. Ich sah nicht ein, warum es sich von der sogenannten „Hochliteratur“ unterscheiden sollte. Ich blieb also stur und beharrte auf mein Thema (was mir dafür kein Sehr Gut einbrachte), genauso wie ich weiterhin Liebesromane schreiben werden, weil ich davon überzeugt bin, dass man dieses Thema durchaus spannend, intelligent und lustig umsetzen kann – ohne Menschen das Gefühl zu geben, sich schämen zu müssen, mit dem Buch gesehen zu werden. So wie es meiner Freundin A. ging, als sie trotz ihres abgeschlossenen Studiums und einer eigenen Firma von ihrem Freund ertappt wurde, als sie sich entspannt eine Liebeskomödie (basierend auf einem der Bücher der obengenannten Bestsellerautorin) im Fernsehen ansah. Er fragte sie, warum sie sich als gebildete und intelligente Frau so einen Schund „reinzog“. A. erklärte ihm, dass, nur weil sie auch über Grips verfügte, sie nicht gewillt sei, auf Gefühle zu verzichten. Ein Liebesfilm gäbe ihr eben mehr als eine trockene Abhandlung über wissenschaftliche Themen, denn das habe sie ohnehin im Büro.

Warum müssen wir uns immer verteidigen, wenn wir uns Unterhaltungsliteratur hingeben? Warum ist der Begriff „Frauenliteratur“ fast eine Beleidigung? Was ist bitte „Männerliteratur“? Ganz ehrlich glaube ich, dass die Liebe die stärkste Macht ist, die uns Menschen bestimmt und antreibt. Wir machen schöne, dumme und auch furchtbare Dinge, weil wir lieben. Liebe kann Wundervolles hervorbringen, aber auch zu Kriegen, Verbreche und Armut führen Die teuerste Scheidung alle Zeiten soll jene eines russischen Oligarchen mit seiner Ex-Frau Elena gewesen sein, der „arme“ Mann musste 3,3 Milliarden (ich habe mich nicht vertippt: Milliarden) Euro abliefern, um die Liebe seines Lebens los zu werden. Zyniker mögen nun vielleicht anmerken, dass es hier nicht um „Liebe“ sondern eher um „Hass“ handle – erstens liegen die zwei sehr eng aneinander und zweitens bezahlte der gute Mann ja deshalb, weil er sich in eine andere Frau verliebt hatte. Immer wieder tappen auch die Mächtigen und Reichen in die „Liebes-Falle“ und damit verbunden in zahllose Fettnäpfchen. Denken wir an Francois Hollande und Arnold Schwarzenegger, eindeutig blöd gelaufen für die zwei. Meinen Segen haben sie, denn jeder soll tun und lassen, was sein  Herz ihm sagt, solange es vom Gegenüber befürwortet wird. Warum geht man das Risiko einer neuen Liebe, eines Seitensprunges oder einer hoffnungslosen Beziehung ein? Ich darf mich bitte eines Kommentares aus einem Barbra Streisand Film bedienen: „Weil es sich – solange es anhält (gemeint ist die Liebe) – einfach unwahrscheinlich gut (vielleicht sagte sie auch „saugeil“) anfühlt!“ Das ist es nämlich: Wir alle sehnen uns nach genau diesem Gefühl – egal ob Mädchen, Bub, Frau oder Mann. Wir würden ziemlich alles dafür geben, dass unser Herz kurz aussetzt, wenn wir dem/der Einen gegenüberstehen. Da täuscht auch kein Tinder darüber hinweg, wo man sich sein sexuelles Gegenüber für eine Nacht oder eine Stunde auswählt, um am nächsten Tag den Mantel des Vergessens darüber zu stülpen und weiter im Pool des Angebots zu ertrinken. Angebote gibt es viele, Verzweifelte ohnehin – die Frage, die sich mir stellt ist: Wo sind die wirklichen Prinzen und Prinzessinnen? Sicher nicht auf Tinder oder sonst irgendwelchen dubiosen Plattformen.

Im wahren Leben gibt es nichts Schöneres als jemanden zu finden der öfters neben dir aufwachen möchte und der sich nicht hinter einem „behübschten“ Selfie oder gefakten Profilbild versteckt. Jemand, der ein Risiko eingeht und sich tatsächlich dafür interessiert, was hinter deiner geschminkten Fassade vor sich geht. Es gibt ihn/ sie  und deshalb erzähle ich von ihnen und nenne meine Bücher „Liebesromane“ – auch auf die Gefahr hin, als trivial, kitschig oder sentimental zu gelten. Ich werde dafür keine Pulitzer oder Nobelpreise gewinnen, so wie Liebesfilme selten Oscars abräumen. Menschen verbinden „Niveau“ nämlich sehr oft mit Tragik, Leid und Problemen. Glaubt mir, davon gibt es auch in meinen Büchern genug, aber ich möchte zeigen, dass, trotz aller Schwierigkeiten, die das Leben uns auferlegt, auch irgendwo etwas Positives zu finden ist. Man kann entweder im Leid/ der Ungerechtigkeit des Seins ertrinken, oder einfach den Stier bei der Hörnern packen und es annehmen. Das Positive wird sich in den Vordergrund drängen und plötzlich erkennt man, dass es der Blickwinkel ist, der definiert, ob es uns gut oder schlecht geht.

Ich bekenne mich also hiermit zur Liebe – immer wieder und bis in die Zehenspitzen! Ich möchte keinen Tag erleben, an dem ich sie nicht fühle und mich nicht daran erfreue. Ihr Image mag seit den Minnesängern gelitten haben, ihr Wesen hat sich allerdings nicht verändert. Wer sie noch nicht gefunden hat, der darf nicht aufgeben, denn es gibt nichts, das sich so sehr auszahlt, darauf zu warten. Denn im Grunde ist es die Liebe die uns zu etwas Besonderem macht. Wenn wir geliebt werden, stechen wir aus der Masse hervor.

You were my strength when I was weak

You were my voice when I couldn't speak

You were my eyes when I couldn't see

You saw the best there was in me

Lifted me up when I couldn't reach

You gave me faith 'coz you believed

I'm everything I am

Because you loved me

(Because you loved me, Celine Dion)

 

 

© 2013-2014 Cornelia Pichler

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