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heartGestern Abend gestand mir ein Freund: „Ich hätte in 23 Jahren gerne das, was ihr bereits habt.“ Er sprach nicht über unser geliebtes Eigenheim oder unseren gut gelungenen Nachwuchs, sondern über unsere Beziehung – also die, welche ich seit 23 Jahren mit meinem Partner (und seit fast 17 Jahren Ehemann) führe. Er meinte, dass er es wahnsinnig inspirierend fände, dass man es uns ansieht, dass wir uns noch immer lieben. „Gibt es ein Rezept dafür?“ will er von mir wissen.

Die enttäuschende Antwort an alle da draußen: nein, es gibt weder ein Handbuch noch eine Garantie, dass eine Beziehung funktioniert. Ich kann nur meine Meinung zu ein paar Grundsätzlichkeiten teilen – allerdings ohne Gewähr, denn wir alle sind so verschieden, haben unterschiedliche Backgrounds, Prioritäten und Werte, sodass jeder für sich entschieden muss, was ihm/ ihr in einer Beziehung wichtig ist. 

Respekt: Für mich ein wichtiger Baustein in jeglicher Hinsicht, ohne den ich nicht leben möchte. Ich versuche jeden Tag, meinem Partner respektvoll gegenüber zu treten und  Verständnis für ihn als Person, sein Handeln und seine Ideen zu haben. Mir steht es nicht zu, seine Ideen als „dumm“ oder unrealistisch zu bezeichnen, denn ich habe auch nicht die Antwort auf alles und mache selbst Fehler, also warum darf er sich nicht für Dinge begeistern, die mir vielleicht fremd oder suspekt sind? Ich darf meine Meinung und Befürchtungen mitteilen, aber immer auf einem respektvollen Level und ohne beleidigend zu sein. Das hat für mich keinen Platz in einer Beziehung. Wir sind beide Erwachsene mit dem Recht auf eine Meinung und Bedürfnisse, ohne uns dafür zu fürchten, dass wir wie von unseren Eltern dafür gemaßregelt werden (es reicht ja, wenn die es tun und ganz ehrlich, dass hört auch nie auf).

Teilen: Ich liebe es etwas mit meinem Partner zu teilen – und damit meine ich nicht meine Popcorn-Packung, denn jeder in meiner Familie weiß, dass ich hierbei keine Kompromisse eingehe und jeder in Lebensgefahr schwebt, dessen Hand sich in meine Richtung bewegt, wenn ich eine Tüte des leckeren Maises in der Hand halte. Es geht mir vielmehr um Gedanken, Träume, Erlebnisse und Ideen. Ein Partner, der sich für deine Vorlieben genau so erwärmt wie du selbst, ist einfach wunderbar und macht das Erlebte gleich doppelt so schön. Man kann sich später gemeinsam an Erlebtes erinnern und der Zauber geht nicht verloren, solange es auch noch einen Zeugen dafür gibt. Mein Mann ist deshalb auch mein bevorzugter Reisepartner, denn er teilt meine Interessen und liebt dieselben Dinge, sodass wir beide glücklich seufzen, wenn der Kellner im Café mit Blick aufs Meer den perfekten Cappuccino serviert. 

Eigenständigkeit: In meiner Beziehung finde ich es extrem schön, dass ich alles teilen kann aber trotzdem nicht muss. Jeder darf Dinge und Gedanken für sich behalten, wenn er das Gefühl hat, dass sie noch nicht reif sind, geteilt zu werden, nichts mit der Partnerschaft zu tun haben oder den anderen fadisieren bzw. verletzten würden. Dieses Recht nehme ich mir sehr gerne heraus, denn ich bin trotz Partnerschaft ein eigenständiger Mensch, der sich mental auf so manche Achterbahn bewegt und sich ständig weiterentwickelt. Nicht alle Fahrten möchte ich im Doppelwagon bestreiten, ab und zu tut es gut, alleine zu fahren und keinem etwas erklären zu müssen. Überhaupt bin ich der Meinung, dass man sich etwas Geheimnisvolles erhalten sollte. Ich will nicht alles mit meinem Partner teilen, denn wie sollte ich ihn überraschen, wenn er mich in und auswendig kennt? Es gibt nichts Schöneres, als sich immer wieder in ihn zu verlieben, weil er plötzlich eine neue Facette zeigt, die man noch gar nicht kennt. Mein Mann sprüht oft vor Energie und neuen Ideen und trägt sie mir inbrünstig vor, sodass ich mir denke: „Wow, wie bin ich nur zu diesem tollen Typen gekommen?“ Und schon habe ich wieder Schmetterlinge im Bauch. Juhu!

Gemeinsames Ziel: Trotz allem sollte man gemeinsam in eine Richtung gehen – vielleicht nicht immer Hand in Hand, aber parallel. Gemeinsame Aktivitäten, Interessen und Projekte schweißen zusammen und verhindern eine Entfremdung. Wenn man nicht denselben Traum träumt, ist das nicht immer schlimm, aber ein gemeinsames Ziel hilft dabei, sich in den Verwirrungen des täglichen Lebens zu orientieren. Wenn man weiß, auf was man hinarbeitet, ist es auch leichter, Schwierigkeiten zu überwinden und zu ertragen, dass nicht alles immer so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Dann krempelt man die Ärmel hoch und zieht sich die (stylishen) Gummistiefel an, um stampft gemeinsam durch den Dreck!

Attraktiv bleiben: Ich bin dafür bekannt, dass ich abends das Haus nur sollten unter 12cm Absätzen verlasse. Mein Orthopäde reibt sich jetzt schon die Hände und mein Umfeld schüttelt gerne den Kopf. Was soll’s? Ich lebe gerne in schwindligen Höhen und meinem Mann gefällt es. Das ist mir wichtig. Ich möchte ihm auch nach 23 Jahren noch das Gefühl geben, dass er mein bevorzugtes Date ist. Deshalb mache ich mich für ihn schön und erlebe mit ihm ganz bewusst Stunden zu zweit, denn schließlich bin ich sein Mädchen und nicht nur Mutter seiner Kinder. Die Mädels verkraften mal einen Abend mit Oma & Opa, Babysitter oder wenn sie schön größer sind, alleine und ihr werdet sehen, wie gut es tut, so zu tun, als hätte man sich gerade erst kennengelernt. Und wenn er sich trotzdem einmal nach einer anderen Frau umdreht, dann bin ich nicht beleidigt, denn er checkt einfach nur meinen Marktwert und findet dann heraus, dass er das Beste eigentlich schon an seiner Seite hat. Mir geht es übrigens auch so.

Lachen: Nicht über ihn, sondern mit ihm. Es gibt nichts Schöneres, als wenn man jemanden an seiner Seite hat, der einen immer noch zum Lachen bringt. Dasselbe möchte ich ihm auch bieten und deshalb bin ich mir auch nicht zu schade, zu meinen Schwächen zu stehen und diese immer wieder komisch ins Rennen zu schicken. Ich machte mich über mich selbst lustig, weil ich weiß, wie weit entfernt ich von Perfektion bin und ich ihm einfach nur dankbar bin, dass er trotzdem jeden Tag neben mir aufwachen möchte – ohne darüber verlegen zu lächeln. Zum Beispiel über meine Joghurt-Obsession, die meine Mahlzeiten bestimmt. Eine Schüssel Früchte mit Vanille-Joghurt stellt für mich eine tolle Hauptmahlzeit dar, während meine Familie sie sanft belächelt und mich immer wieder deshalb aufzieht. Ich kann damit leben und sie auch – denn ihnen bleiben all die anderen Sachen im Kühlschrank, die sie als lecker ansehen. Ich löffle weiter Joghurt und bin auch glücklich.

Die Moral der Geschichte: Ich weiß auch nicht, wie es geht, aber irgendwie mache ich es richtig.

 

 

© 2013-2014 Cornelia Pichler

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