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PerfektionsfalleAm Wochenende fühlte ich mich geschlaucht und müde und ergab mich diesem Zustand, indem ich etliche Stunden am Sofa verbrachte und mich von seichten Filmen berieseln ließ. Unter anderem einer Hollywood-Liebeskomödie, welche die Suche nach dem perfekten Mann porträtierte, die wie vorhersehbar auch mit Happy End endete. Das, was laut Hollywood so einfach sein kann, gestaltet sich in der Realität meistens zum Schwerkampf, wie ich Im Bekanntenkreis immer wieder feststellen muss. Warum? Gibt es keine tollen Typen mehr? Sind wir Frauen tatsächlich in der misslichen Lage, dass diejenigen, die in den Sechziger Jahren noch mit Anzug und Krawatte die Tür des Cabrios aufhielten, um die Dame des Herzens an einen romantischen Spot zu chauffieren, wo sie ihr zuerst eine traumhafte Landschaft und dann ihr Herz zu Füßen legen, ausgestorben sind (Ich gebe zu, dass ich auch „Über den Dächern von Nizza“ mit Cary Grant gesehen habe)? Wo sind all die Helden, von denen wir nachts träumen?

Ich glaube, sie sind noch immer da, aber haben es zugegebenermaßen einfach schwerer, das zu repräsentieren, wonach „frau“ sich heutzutage sehnt. Das Bild des perfekten Mannes hat sich verändert, denn dank Digitalisierung, Photoshop, Selfie-Perfektions-Apps, Twitter & Co trudeln hundertmal am Tag Images in unser Wohnzimmer, Büro oder Verkehrsmittel und offenbaren uns, wie toll Männer sein können. Wir haben das Gefühl, David Beckham persönlich zu kennen, weil wir ihm dabei zusehen, wie er trainiert, kocht, seine Kinder zur Schule bringt, am Abend topgestylt am Red Carpet steht und immer wieder betont wie sehr er Victoria vergöttert. Ein Blick nach rechts im Cafè zeigt uns hingegen, dass der Kerl, den wir anfangs noch ganz süß fanden, dann aber doch einen kleinen Bauchansatz, einen schiefen Eckzahn und Sneakers hat, die schon letzte Saison out waren. Also schauen wir weiter auf unser Handy-Display und checken mal, was das Männermodel macht, dem wir seit einiger Zeit auf Instagram folgen. Wow! Schon wieder ein cooles Foto seines Sixpacks, den wir so gerne einmal berühren würden. Genauso wie den der zwanzig anderen heißen Typen, mit denen wir „befreundet“ sind. 

Ich will mich selbst gar nicht ausnehmen, denn auch sehe mir gerne schöne Fotos von schönen Menschen an. Punkt. Aber, und nun das große ABER, wir sollten uns dessen bewusst sein, dass wir hier nicht die Realität präsentiert bekommen, sondern immer nur eine beschönigte Version derselben. Wer tatsächlich glaubt, dass Menschen so perfekt aussehen und handeln – meiner Meinung nach widersprechen sich die Begriffe perfekt und menschlich sogar – der ist naiv. Wir bekommen genau das zu sehen, was andere uns sehen lassen wollen. Ich gehe davon aus, dass kein Celeb seine Einträge selbst schreibt, sondern sie von seinem Social Media/PR-Team gestaltet und kommentiert werden. Kein einziges Foto, dafür lege ich meine Hand ins Feuer, geht unbearbeitet und perfektioniert an die Öffentlichkeit. Niemand zeigt sich so, wie er tatsächlich ist, auch wenn er nach unserem Dafürhalten, dem Wort Perfektion sehr nahekommt. Wir sehen immer nur eine Auswahl aus einem Pool von „worth sharing“, denn ein perfektes Foto erfordert wahrscheinlich dreißig Shots und wird immer nachbearbeitet. Genauso verhält es sich mit den Inhalten. Was will die Welt sehen? Womit erlange ich am meisten Likes und welches Postings halten mich lange im Gespräch? Eine Meisterin dieses Geschäfts ist wohl Kim Kardashian, deren privates Sexvideo „zufällig“ ans Licht der Öffentlichkeit gelangte und die seitdem aus der Medienwelt nicht mehr wegzudenken ist. 

Nun kommen wir wieder zu unserer Realität und dem Fremden im Café oder auch den Partner am Sofa zuhause. Er wird mit Maßstäben bewertet, die unfair und fiktiv sind. Zeichentrickfiguren in Disney-Movies sind perfekt, weil sie gezeichnet sind und genauso aussehen, wie der Künstler und die Umfragen-Statistiken sie haben wollen. Wir können keinen Wunschzettel schreiben und erhoffen, dass der Traum-Partner am nächsten Tag vor der Tür steht. Falsch: Wir können, sollten uns aber auf ein langes und einsames Leben mit vielen Katzen vorbereiten. 

Natürlich tappen auch Männer in die Perfektionsfalle. Auch sie träumen von Prinzessinnen, die wie Fitnessgöttinnen aussehen, Haare bis zum Allerwertesten haben und mit 40 noch immer keine einzige Falte im Gesicht. Den Vorteil, den wir Frauen haben, ist, dass wir schon immer einem hohen Druck ausgesetzt waren, was unser Äußeres betrifft (da wir ja jahrhundertlang „Heiratsmaterial“ waren), währenddessen Männer „nur“ dazu bestimmt waren, Frauen zu versorgen und zu behüten und sich um Dinge wie das Äußere, den Haushalt, die Kindererziehung keine Sorgen machen mussten. Plötzlich wollen Frauen nicht nur starke Partner und Ehemänner, sondern auch solche, die gut aussehen, im Haushalt mithelfen und zum Elternsprechtag der Kinder gehen. Das überfordert die Spezies, die mit Veränderungen leider nicht so flexibel umgehen kann wie von „frau“ erhofft. Währenddessen der Mann von heute sich jahrelang fragt, wie er in diese seltsame Lage gelangt ist und heimlich David Beckham verflucht, nicht, weil er nicht mehr Fußball spielt, sondern weil er abends den Müll rausträgt, schmiedet die Frau heimliche Pläne, transformiert innerlich zum unabhängigen und selbstbewussten Supergirl und verlässt ihn ohne Vorwarnung eines Morgens zwischen Müsli und Mittagessen. Er schaut wie ein Auto und hat keine Ahnung, was passiert ist.

Meine Mutter ist seit 55 Jahren mit demselben Mann verheiratet. Es gab gute, schlechte und mittelmäßige Zeiten und das Wort Harmonie möchte ich in Bezug auf ihre Beziehung nicht wirklich verwenden, denn es wäre einfach nur die Unwahrheit. Aber sie haben eine Art gefunden, miteinander zu koexistieren und immer öfters bekomme ich das Gefühl, dass sie ohne einander auch nicht könnten und sich eigentlich auf eine mir unverständliche Art verstehen. Vor kurzem sagte sie zu mir: „So viele Frauen lassen sich scheiden, weil etwas nicht passt. Meistens eine Kleinigkeit. Eine Ehe bedeutet auch Durchhalten.“ Klang für mich unromantisch, hart und nach keiner Option. Aber vielleicht hat sie nicht ganz unrecht. Partner mögen nicht perfekt sein, weil das, wie schon erwähnt, nicht in der Genetik des Menschen liegt. Vielleicht sollte man seinen Partner aber so annehmen, wie man sich selbst annimmt, mit all den Fehlern und Schwächen. Sind wir denn perfekt? Also ich sicher nicht und ich bin unsagbar dankbar, dass mein Ehemann mich trotzdem nicht verlässt, denn manchmal würde ich mich selbst gerne verlassen ;-).  

Der gutaussehende Typ auf Instagram wird uns nie wärmen, wenn wir frieren oder mit uns Schokoladentorte essen. Er würde uns vielleicht sogar ins Fitnesscenter schicken und die Nummer seines Schönheitschirurgen zustecken. Wahrscheinlich würden wir ihm aber auch nie begegnen, weil wir ihn auf der Straße nicht erkennen würden. Denn ohne Filter und App-Bearbeitung sieht er vielleicht einfach nur wie jener Fremde aus, der einmal neben uns im Café saß und den wir wortlos zurückgelassen haben.

 

 

heartGestern Abend gestand mir ein Freund: „Ich hätte in 23 Jahren gerne das, was ihr bereits habt.“ Er sprach nicht über unser geliebtes Eigenheim oder unseren gut gelungenen Nachwuchs, sondern über unsere Beziehung – also die, welche ich seit 23 Jahren mit meinem Partner (und seit fast 17 Jahren Ehemann) führe. Er meinte, dass er es wahnsinnig inspirierend fände, dass man es uns ansieht, dass wir uns noch immer lieben. „Gibt es ein Rezept dafür?“ will er von mir wissen.

Die enttäuschende Antwort an alle da draußen: nein, es gibt weder ein Handbuch noch eine Garantie, dass eine Beziehung funktioniert. Ich kann nur meine Meinung zu ein paar Grundsätzlichkeiten teilen – allerdings ohne Gewähr, denn wir alle sind so verschieden, haben unterschiedliche Backgrounds, Prioritäten und Werte, sodass jeder für sich entschieden muss, was ihm/ ihr in einer Beziehung wichtig ist. 

Respekt: Für mich ein wichtiger Baustein in jeglicher Hinsicht, ohne den ich nicht leben möchte. Ich versuche jeden Tag, meinem Partner respektvoll gegenüber zu treten und  Verständnis für ihn als Person, sein Handeln und seine Ideen zu haben. Mir steht es nicht zu, seine Ideen als „dumm“ oder unrealistisch zu bezeichnen, denn ich habe auch nicht die Antwort auf alles und mache selbst Fehler, also warum darf er sich nicht für Dinge begeistern, die mir vielleicht fremd oder suspekt sind? Ich darf meine Meinung und Befürchtungen mitteilen, aber immer auf einem respektvollen Level und ohne beleidigend zu sein. Das hat für mich keinen Platz in einer Beziehung. Wir sind beide Erwachsene mit dem Recht auf eine Meinung und Bedürfnisse, ohne uns dafür zu fürchten, dass wir wie von unseren Eltern dafür gemaßregelt werden (es reicht ja, wenn die es tun und ganz ehrlich, dass hört auch nie auf).

Teilen: Ich liebe es etwas mit meinem Partner zu teilen – und damit meine ich nicht meine Popcorn-Packung, denn jeder in meiner Familie weiß, dass ich hierbei keine Kompromisse eingehe und jeder in Lebensgefahr schwebt, dessen Hand sich in meine Richtung bewegt, wenn ich eine Tüte des leckeren Maises in der Hand halte. Es geht mir vielmehr um Gedanken, Träume, Erlebnisse und Ideen. Ein Partner, der sich für deine Vorlieben genau so erwärmt wie du selbst, ist einfach wunderbar und macht das Erlebte gleich doppelt so schön. Man kann sich später gemeinsam an Erlebtes erinnern und der Zauber geht nicht verloren, solange es auch noch einen Zeugen dafür gibt. Mein Mann ist deshalb auch mein bevorzugter Reisepartner, denn er teilt meine Interessen und liebt dieselben Dinge, sodass wir beide glücklich seufzen, wenn der Kellner im Café mit Blick aufs Meer den perfekten Cappuccino serviert. 

Eigenständigkeit: In meiner Beziehung finde ich es extrem schön, dass ich alles teilen kann aber trotzdem nicht muss. Jeder darf Dinge und Gedanken für sich behalten, wenn er das Gefühl hat, dass sie noch nicht reif sind, geteilt zu werden, nichts mit der Partnerschaft zu tun haben oder den anderen fadisieren bzw. verletzten würden. Dieses Recht nehme ich mir sehr gerne heraus, denn ich bin trotz Partnerschaft ein eigenständiger Mensch, der sich mental auf so manche Achterbahn bewegt und sich ständig weiterentwickelt. Nicht alle Fahrten möchte ich im Doppelwagon bestreiten, ab und zu tut es gut, alleine zu fahren und keinem etwas erklären zu müssen. Überhaupt bin ich der Meinung, dass man sich etwas Geheimnisvolles erhalten sollte. Ich will nicht alles mit meinem Partner teilen, denn wie sollte ich ihn überraschen, wenn er mich in und auswendig kennt? Es gibt nichts Schöneres, als sich immer wieder in ihn zu verlieben, weil er plötzlich eine neue Facette zeigt, die man noch gar nicht kennt. Mein Mann sprüht oft vor Energie und neuen Ideen und trägt sie mir inbrünstig vor, sodass ich mir denke: „Wow, wie bin ich nur zu diesem tollen Typen gekommen?“ Und schon habe ich wieder Schmetterlinge im Bauch. Juhu!

Gemeinsames Ziel: Trotz allem sollte man gemeinsam in eine Richtung gehen – vielleicht nicht immer Hand in Hand, aber parallel. Gemeinsame Aktivitäten, Interessen und Projekte schweißen zusammen und verhindern eine Entfremdung. Wenn man nicht denselben Traum träumt, ist das nicht immer schlimm, aber ein gemeinsames Ziel hilft dabei, sich in den Verwirrungen des täglichen Lebens zu orientieren. Wenn man weiß, auf was man hinarbeitet, ist es auch leichter, Schwierigkeiten zu überwinden und zu ertragen, dass nicht alles immer so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Dann krempelt man die Ärmel hoch und zieht sich die (stylishen) Gummistiefel an, um stampft gemeinsam durch den Dreck!

Attraktiv bleiben: Ich bin dafür bekannt, dass ich abends das Haus nur sollten unter 12cm Absätzen verlasse. Mein Orthopäde reibt sich jetzt schon die Hände und mein Umfeld schüttelt gerne den Kopf. Was soll’s? Ich lebe gerne in schwindligen Höhen und meinem Mann gefällt es. Das ist mir wichtig. Ich möchte ihm auch nach 23 Jahren noch das Gefühl geben, dass er mein bevorzugtes Date ist. Deshalb mache ich mich für ihn schön und erlebe mit ihm ganz bewusst Stunden zu zweit, denn schließlich bin ich sein Mädchen und nicht nur Mutter seiner Kinder. Die Mädels verkraften mal einen Abend mit Oma & Opa, Babysitter oder wenn sie schön größer sind, alleine und ihr werdet sehen, wie gut es tut, so zu tun, als hätte man sich gerade erst kennengelernt. Und wenn er sich trotzdem einmal nach einer anderen Frau umdreht, dann bin ich nicht beleidigt, denn er checkt einfach nur meinen Marktwert und findet dann heraus, dass er das Beste eigentlich schon an seiner Seite hat. Mir geht es übrigens auch so.

Lachen: Nicht über ihn, sondern mit ihm. Es gibt nichts Schöneres, als wenn man jemanden an seiner Seite hat, der einen immer noch zum Lachen bringt. Dasselbe möchte ich ihm auch bieten und deshalb bin ich mir auch nicht zu schade, zu meinen Schwächen zu stehen und diese immer wieder komisch ins Rennen zu schicken. Ich machte mich über mich selbst lustig, weil ich weiß, wie weit entfernt ich von Perfektion bin und ich ihm einfach nur dankbar bin, dass er trotzdem jeden Tag neben mir aufwachen möchte – ohne darüber verlegen zu lächeln. Zum Beispiel über meine Joghurt-Obsession, die meine Mahlzeiten bestimmt. Eine Schüssel Früchte mit Vanille-Joghurt stellt für mich eine tolle Hauptmahlzeit dar, während meine Familie sie sanft belächelt und mich immer wieder deshalb aufzieht. Ich kann damit leben und sie auch – denn ihnen bleiben all die anderen Sachen im Kühlschrank, die sie als lecker ansehen. Ich löffle weiter Joghurt und bin auch glücklich.

Die Moral der Geschichte: Ich weiß auch nicht, wie es geht, aber irgendwie mache ich es richtig.

 

 

Header BücherViele Menschen, mit denen ich über mein neues Buch spreche, fragen mich, worum es denn in dem Roman gehe. Wenn ich antworte, dass es sich um eine Liebesgeschichte handle, ernte ich sehr oft ein spontanes Lächeln (meistens von Frauen), teilweise Skepsis und immer wieder einen mitleidigen Blick à la „Mein Gott, schon wieder eine Frau, die einen schnulzigen Frauenroman geschrieben hat“ (meistens von Männern). Mein Freund K. hat es dann auf den Punkt gebracht, indem er - völlig emotionslos und trocken - zu mir sagte: „Ich habe schon gehört, dass du die neue Rosamunde Pilcher bist“. Nach kurzem Schock fing ich mich wieder und dachte darüber nach. Eines vorweg, ich habe kein einziges der Pilcher Bücher gelesen, aber den einen und anderen Film gesehen und muss sagen: Ich und die Pilcher sind stilistisch und inhaltlich zwei verschiedene Paar Schuh (sie mehr ein bequemer und flacher Alltagssneaker, während ich wohl eindeutig ein schwindelerregender Stilettopump á la Louboutin bin). Aber ganz ehrlich, es würde mir nichts ausmachen, verkaufszahlenmäßig in ihrer Liga spielen zu dürfen und sie verdient Hochachtung für die Leistung, so viele Menschen mit ihrer Art von Literatur glücklich zu machen. Genau darum geht es nämlich: Leser und Leserinnen für einige Stunden den Alltag und ihre Probleme vergessen zu lassen und wie man das anstellt, sei jedem Autor bzw. jeder Autorin selbst überlassen. Das ist jedenfalls meine Meinung.

Kommen wir zum zweiten Thema: Wer genau bestimmt denn, was trivial ist und was nicht? Ist das nicht auch ein sehr subjektiver Begriff? Mir wurde er das erste Mal im Rahmen meiner Diplomarbeit von meinem Betreuungslehrer an den Kopf geworfen, als er mich fragte, warum ich denn unbedingt über Trivialliteratur schreiben wollte. Mein Thema „The Southern Way – The Price of Tides as an Example of Southern Literature“ behandelte den Roman „Herr der Gezeiten“ von Pat Conroy, welcher auch noch heute zu meinen Lieblingsromanen zählt. Ich sah nicht ein, warum es sich von der sogenannten „Hochliteratur“ unterscheiden sollte. Ich blieb also stur und beharrte auf mein Thema (was mir dafür kein Sehr Gut einbrachte), genauso wie ich weiterhin Liebesromane schreiben werden, weil ich davon überzeugt bin, dass man dieses Thema durchaus spannend, intelligent und lustig umsetzen kann – ohne Menschen das Gefühl zu geben, sich schämen zu müssen, mit dem Buch gesehen zu werden. So wie es meiner Freundin A. ging, als sie trotz ihres abgeschlossenen Studiums und einer eigenen Firma von ihrem Freund ertappt wurde, als sie sich entspannt eine Liebeskomödie (basierend auf einem der Bücher der obengenannten Bestsellerautorin) im Fernsehen ansah. Er fragte sie, warum sie sich als gebildete und intelligente Frau so einen Schund „reinzog“. A. erklärte ihm, dass, nur weil sie auch über Grips verfügte, sie nicht gewillt sei, auf Gefühle zu verzichten. Ein Liebesfilm gäbe ihr eben mehr als eine trockene Abhandlung über wissenschaftliche Themen, denn das habe sie ohnehin im Büro.

Warum müssen wir uns immer verteidigen, wenn wir uns Unterhaltungsliteratur hingeben? Warum ist der Begriff „Frauenliteratur“ fast eine Beleidigung? Was ist bitte „Männerliteratur“? Ganz ehrlich glaube ich, dass die Liebe die stärkste Macht ist, die uns Menschen bestimmt und antreibt. Wir machen schöne, dumme und auch furchtbare Dinge, weil wir lieben. Liebe kann Wundervolles hervorbringen, aber auch zu Kriegen, Verbreche und Armut führen Die teuerste Scheidung alle Zeiten soll jene eines russischen Oligarchen mit seiner Ex-Frau Elena gewesen sein, der „arme“ Mann musste 3,3 Milliarden (ich habe mich nicht vertippt: Milliarden) Euro abliefern, um die Liebe seines Lebens los zu werden. Zyniker mögen nun vielleicht anmerken, dass es hier nicht um „Liebe“ sondern eher um „Hass“ handle – erstens liegen die zwei sehr eng aneinander und zweitens bezahlte der gute Mann ja deshalb, weil er sich in eine andere Frau verliebt hatte. Immer wieder tappen auch die Mächtigen und Reichen in die „Liebes-Falle“ und damit verbunden in zahllose Fettnäpfchen. Denken wir an Francois Hollande und Arnold Schwarzenegger, eindeutig blöd gelaufen für die zwei. Meinen Segen haben sie, denn jeder soll tun und lassen, was sein  Herz ihm sagt, solange es vom Gegenüber befürwortet wird. Warum geht man das Risiko einer neuen Liebe, eines Seitensprunges oder einer hoffnungslosen Beziehung ein? Ich darf mich bitte eines Kommentares aus einem Barbra Streisand Film bedienen: „Weil es sich – solange es anhält (gemeint ist die Liebe) – einfach unwahrscheinlich gut (vielleicht sagte sie auch „saugeil“) anfühlt!“ Das ist es nämlich: Wir alle sehnen uns nach genau diesem Gefühl – egal ob Mädchen, Bub, Frau oder Mann. Wir würden ziemlich alles dafür geben, dass unser Herz kurz aussetzt, wenn wir dem/der Einen gegenüberstehen. Da täuscht auch kein Tinder darüber hinweg, wo man sich sein sexuelles Gegenüber für eine Nacht oder eine Stunde auswählt, um am nächsten Tag den Mantel des Vergessens darüber zu stülpen und weiter im Pool des Angebots zu ertrinken. Angebote gibt es viele, Verzweifelte ohnehin – die Frage, die sich mir stellt ist: Wo sind die wirklichen Prinzen und Prinzessinnen? Sicher nicht auf Tinder oder sonst irgendwelchen dubiosen Plattformen.

Im wahren Leben gibt es nichts Schöneres als jemanden zu finden der öfters neben dir aufwachen möchte und der sich nicht hinter einem „behübschten“ Selfie oder gefakten Profilbild versteckt. Jemand, der ein Risiko eingeht und sich tatsächlich dafür interessiert, was hinter deiner geschminkten Fassade vor sich geht. Es gibt ihn/ sie  und deshalb erzähle ich von ihnen und nenne meine Bücher „Liebesromane“ – auch auf die Gefahr hin, als trivial, kitschig oder sentimental zu gelten. Ich werde dafür keine Pulitzer oder Nobelpreise gewinnen, so wie Liebesfilme selten Oscars abräumen. Menschen verbinden „Niveau“ nämlich sehr oft mit Tragik, Leid und Problemen. Glaubt mir, davon gibt es auch in meinen Büchern genug, aber ich möchte zeigen, dass, trotz aller Schwierigkeiten, die das Leben uns auferlegt, auch irgendwo etwas Positives zu finden ist. Man kann entweder im Leid/ der Ungerechtigkeit des Seins ertrinken, oder einfach den Stier bei der Hörnern packen und es annehmen. Das Positive wird sich in den Vordergrund drängen und plötzlich erkennt man, dass es der Blickwinkel ist, der definiert, ob es uns gut oder schlecht geht.

Ich bekenne mich also hiermit zur Liebe – immer wieder und bis in die Zehenspitzen! Ich möchte keinen Tag erleben, an dem ich sie nicht fühle und mich nicht daran erfreue. Ihr Image mag seit den Minnesängern gelitten haben, ihr Wesen hat sich allerdings nicht verändert. Wer sie noch nicht gefunden hat, der darf nicht aufgeben, denn es gibt nichts, das sich so sehr auszahlt, darauf zu warten. Denn im Grunde ist es die Liebe die uns zu etwas Besonderem macht. Wenn wir geliebt werden, stechen wir aus der Masse hervor.

You were my strength when I was weak

You were my voice when I couldn't speak

You were my eyes when I couldn't see

You saw the best there was in me

Lifted me up when I couldn't reach

You gave me faith 'coz you believed

I'm everything I am

Because you loved me

(Because you loved me, Celine Dion)

 

 

 

Buch Perspektive 2014 12 06

Endlich ist es soweit und ich fiebere der Veröffentlichung meines ersten Buches entgegen. Es fühlt sich an, wie wenn ein Kind loslässt, um es in die weite Welt zu schicken. Von der weiten Welt kann man wahrscheinlich noch nicht sprechen bzw. nur davon träumen, denn ich gehe nicht davon aus, dass zwei bis drei Wochen nach der Veröffentlichung Steven Spielberg bei mir durchruft, um sich die Filmrechte zu sichern. Na ja, vielleicht Til Schweiger, dann müssten wir das Buch gar nicht übersetzen und ich könnte Elyas M’Barek als männliche Hauptrolle vorschlagen. Die weibliche Hauptrolle könnte ja dann ... wenn’s sein muss ... ich übernehmen.

Jede Art von Kunst ist subjektiv und man mag Kunstwerke, liebt sie, hasst sie, oder im schlimmsten Fall lassen sie einen kalt und führen zu keinerlei Gefühlsregung. Jedenfalls animiert sie uns dazu, die konsumierte Kunst zu bewerten – heutzutage vorzugsweise online, wenn man nicht gerade Journalist ist und noch für Printmedien schreibt. Nicht jeder Künstler kann mit Kritik umgehen, obwohl sie natürlich auch positiv und konstruktiv sein kann. Im Zeitalter des Internets fürchten wir uns auch deshalb so vor Kritik, weil sie oft anonym, aus Wichtigmacherei oder des „shitstorming“-wegen abgefeuert wird. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Menschen es geradezu lieben, andere zu kritisieren, schlecht zu machen und zu erniedrigen, nur damit sie selbst gehört werden. Ganz selten lese ich mal „Wow – das hat mich echt umgehauen!“ Haben wir es verlernt zu loben? Ist es inzwischen leichter zu kritisieren? Leben wir tatsächlich in einer Neidgesellschaft?

Es überrascht mich auch immer wieder, von welchen Menschen Kritik geübt wird. Manchmal haben sie selbst keine Ahnung von der Kunst, die sie schlecht machen und würden es in hundert Jahren nicht fertig bringen, eine solche zu produzieren. „Ist ein Text schlecht, nur weil er einem nicht gefällt? Was macht einen Text zu einem schlechten Text? Gibt es hierzu objektive Kriterien? „Die Protagonistin ist mir unsympathisch“ finde ich ein wenig mau und „Mit der Szene konnte ich mich nicht identifizieren, ich finde sie konstruiert“ ist mir auch zu wenig. Haben wir alle schon alles, was menschenmöglich ist, erlebt? Nur weil ich es noch nicht erlebt habe oder es nicht verstehe, heißt es doch nicht, dass es nicht realistisch sein kann. Denken wir mal an 90% alle Tom Cruise Filme? Was bitte ist daran „echt“? Ich liebe zum Beispiel Forrest Gump –alles ein schönes Märchen und nicht real, aber eine tolle Geschichte. Und um das geht es mir: was ist die Geschichte hinter dem Werk? Gibt es eine und wenn ja, reißt sie mich persönlich mit? Generell gibt es beim menschlichen Verhalten so viele Nuancen und Beweggründe, der Mensch selbst ist ein Mysterium – wie kann man da sagen: Es ist nicht nachvollziehbar?

Ich frage Kritiker gerne: Haben Sie schon einmal ein Buch geschrieben? Wie würden Sie es denn machen? Die meisten haben darauf keine Antwort, denn die wenigsten können selbst zusammenhängende Sätze verfassen – von Rechtschreibung will ich gar nicht sprechen. Man entfernt sich immer mehr von geschriebenen zusammenhängenden Texten, die etwas aussagen. Smileys und andere Emoticons überrennen uns und ersparen uns, uns artikulieren zu müssen. Ein Bild sagt mehr als tausende Worte, heißt es. Ich sende also ein Herz und muss nicht mehr eine Liebeserklärung verfassen. Der andere versteht und ist zufrieden. Mein Gott, wo sind die Zeiten hin, wo man noch Stunden über einem Brief saß, ihn dreimal zerknüllte und dann erst die vierte Version halbwegs zufriedenstellend war? Wie soll man oder kann man Prosa verstehen, wenn alles mit ein paar Zeichen gesagt werden kann? Kusslippen, Rose, Verlobungsring, Kirche, Schleier – selbst ein Heiratsantrag ist mit ein paar Klicks erledigt.

Ich fürchte mich nicht vor Kritikern - ich respektiere jede Meinung und jeden Geschmack, wenn sie fundiert sind und höflich formuliert. Es gibt sehr viele literarische Werke, die ich gelesen habe und die mir persönlich nicht gefallen haben. Ich bin noch immer auf Elizabeth Gilbert ob ihres Romans „Das Wesen der Dinge und der Liebe“ sauer, da mich der Klappentext auf eine falsche Fährte geführt hatte und ich vergeblich die Liebe suchte, welche die passionierte Pflanzenliebhaberin – ihres Zeichens Protagonistin -  nie fand. Dennoch schreibt die Frau wie eine Göttin und ich respektiere die künstlerische Arbeit. Genau das würde ich mir auch wünschen. Jeder hat das Recht meine Arbeit zu diskutieren, zu zerlegen (ich freue mich auf die psychologischen Rückschlüsse auf meine eigene Persönlichkeit) und seine Meinung dazu abzugeben. Ich nehme jede Art von Feedback gerne an und kann sicher daraus lernen und wachsen – jedenfalls in schreibtechnischer Hinsicht, körperlich habe ich die Hoffnung aufgegeben. Aber ich werde mich nicht auf persönliche Emotionen einlassen, die auf eine Allgemeinebene gebracht werden, denn man kann nicht für jeden schreiben und alle glücklich machen. Das ist nicht meine Intention. Ich möchte denjenigen, die in meine Welt eintauchen wollen, ein schönes und erwärmendes Gefühl bescheren und sie den Alltag vergessen lassen. Wenn der eine oder andere Leser ermutigt wird, seine Träume aus der großen Truhe hervorzukramen, sich die rosa Brille aufzusetzen und am helllichten Tag einen Cocktail zu bestellen – weil ihm gerade danach ist – dann habe ich etwas richtig gemacht. Mehr zählt nicht.

Falls das der Fall ist, schreibt mir via Facebook oder kontaktiert mich über meine Website, sendet mir ein Foto oder erzählt mir von eurem Traumtag.  Als Dankeschön erhält ihre eine Gratisausgabe meines nächsten Buches, welches voraussichtlich nächstes Jahr erscheint.  

© 2013-2014 Cornelia Pichler

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